Google Disavow und die Zukunft von SEO

Aus aktuellem Anlass möchte ich heute einen Beitrag teilen, der etwas aus der Reihe ist. Ich bin sicher kein SEO-Experte, verfolge aber seit einigen Jahren aufmerksam die Entwicklungen rund um SEM und SEO. In der letzten Woche bin ich auf ein Webinar gestossen, welches das Google Disavow Tool zum Anlass genommen hat, um die allgemeine Zukunft von SEO zu diskutieren.

Eugene Ware, der Herausgeber des Keyword Research Tools Market Samurai, hat dieses Webinar am 24. Oktober 2012 beherbergt. Bestandteil war eine hervorragende Präsentation von Leslie Rohde (SEO Braintrust), bei der er über das neue Google Disavow Tool und die Zukunft von SEO sprach. Ich bin der Meinung, dass seine Botschaft sehr hilfreich ist und möchte diese deshalb hier teilen.

Hintergrund zum Google Disavow Tool

Google führte am 16.10. das Tool Disavow ein, welches weitreichende Diskussionen über die Zukunft von SEO auslöste. Interessante Beiträge, mit Meinungen zum Google Disavow Tool, können im tagSeoBlog, bei SEOKRATIE und SEO.de gelesen werden.

Das neue Tool erlaubt es Webmastern sich von eingehenden Links zu distanzieren und diese mehr oder weniger abzuwerten. Beansprucht werden kann das Disavow Tool über den Google Webmaster Zugang, insofern dieser Service von Google mit einem Account genutzt wird. Die offizielle Stellungnahme zum Tool, ist im deutschen Webmasterblog von Google zu sehen.

Präsentation von Leslie Rohde zur Zukunft von SEO

Präsentation von Leslie Rohde zur Zukunft von SEO

Präsentation von Leslie Rohde zum Google Disavow Tool und der Zukunft von SEO

Der Inhalt des folgenden Beitrags basiert ausschliesslich auf einer Präsentation von Leslie Rohde, die Bestandteil des kürzlich gegebenen Webinars ist. Ich möchte hier die, aus meiner Sicht, wichtigsten Aussagen zusammenfassen. Die Inhalte sind frei übersetzt und konsolidiert dargestellt. Das gesamte Bildmaterial in diesem Beitrag stammt aus der Präsentation. Das Originalvideo zum Webinar kann, nach Genehmigung von  Eugene Ware, am Ende des Beitrags angesehen werden.

In der Präsentation ging es hauptsächlich um die Frage, welche SEO Techniken und Methoden heute und auch zukünftig funktionieren. Einleitend wurde aber zunächst näher auf das Google Disavow Tool eingegangen.

4 Dinge die Google Disavow machen kann

Sneaky disavow (crowd sourcing spam detection): Wahrscheinlich die Hauptmotivation von Google zum Einsatz des Disavow Tools. Webmaster reichen ihre Empfehlungen zu schlechten Links über das Disavow Tool ein, welche dann manuell durch Google Mitarbeiter einer Analyse unterzogen werden. Spam-Seiten werden geclustert, um relativ verlässliche Ergebnisse zu erhalten.

Evil disavow (rating and bombing of competitors): Das Betreiben von negativem SEO, mit dem Ziel Wettbewerbern zu schaden und die Qualität von Websites abzuwerten. Es ist theoretisch möglich das Tool zu missbrauchen. Dies funktioniert aber nur für Websites, die über zu wenig positives SEO (gute Backlinks, Google Trust) verfügen, um das negative SEO auszugleichen. Am Ende entscheidet immer noch Google selbst über Abwertungen von Websites.

Blessed Disavow (papal dispensation): Spam-Linkaufbau betreiben, dieses eingestehen und im Google Disavow Tool aufzuräumen und dann wieder spammen. Dieses Vorgehen funktioniert langfristig nicht. Es kann lange dauern bis Links entfernt werden, sich eine Website von Bestrafungen erholt und letztendlich muss die Entfernung von schlechten Links nicht zwingend von Google akzeptiert werden.

Boring (Real) Disavow: Das echte Disavow ist lediglich ein Standardformat von Google für Webmaster. Es soll verhindert werden, dass Textdokumente in verschiedensten Formaten eingereicht, sondern einheitliche Eingaben zum Linkabbau getätigt werden können. Wenn genug positives und richtiges SEO/Linkaufbau betrieben wird, sollte das Tool nie benötigt werden. Es ist einfach eine bequem Lösung für Google und Webmaster, um Linkabbau zu betreiben.

Warum Google keine Hilfe von Webmastern benötigt

Google will mit dem Disavow Tool ein Standardformat schaffen und sieht die Einreichung von ungültigen Links als “starke Empfehlung”, aber auch nicht mehr. Warum Google am Ende aber keine Webmaster braucht, um seinen Suchalgorithmus zu verbessern, belegen diese Daten aus 2011:

Google erstellt jährlich 20 Millionen Software-Konstruktionen und hatte 2.000 verschiedene aktive Projekte in 2011. Es werden täglich 120 Millionen Testläufe von Entwicklern in 40 Ländern durchgeführt. Google ist im Besitz von circa einer Million Computern, jeweils mit einem Speicher von 50 TB. Ein Team aus 5.000 Ingenieuren verursacht 20 Veränderungen pro Minute (24/7), 200.000 Updates pro Woche, und eine Veränderung des Quellcodes um 50% in jedem Monat. Der Quellcode hat sich alleine in 2010 verdoppelt.

“Google has already a better view of the world than you could possibly give them” (Leslie Rohde)

Aufgrund dessen ist Google nicht auf den Endnutzer und seine Sicht der Dinge angewiesen. Google benötigt keine Einschätzung von Webmastern und weiß bereits viel mehr über die Linkstruktur unserer Websites, als wir Ihnen über das Disavow Tool mitteilen können.

Mögliche Sanktionen von Google

Google unterscheidet zwischen automatischen und manuellen Strafen. Für automatische Bestrafungen von negativem SEO oder anderen Versuchen Googles Richtlinien zu hintergehen, werden keine Benachrichtigungen mehr verschickt, wenn das Ranking abgewertet wird. Manuelle Strafen werden durch automatisierte Prozesse ausgelöst, jedoch werden die verdächtigen Seiten von menschlichen Mitarbeitern bewertet. Die bestraften Webmaster bekommen daraufhin eine Nachricht von Google und damit die Gelegenheit, darauf zu reagieren.

Die Bestrafung durch Google kann auf verschiedenen Faktoren basieren. Zum einen sind das Linking-based Penalties, also eine Abwertung aufgrund unnatürlicher Verlinkungen (mit dem Panda-Update wurde erstmal ein negativer Rankingfaktor für schlechte Links eingeführt). Zum anderen werden Site/Content-based Penalties verhangen. Dabei werden Content Duplication, Keyword stuffing und Überoptimierung von internen Links bestraft. Also doppelte oder schlechte Inhalte und die übermäßige Verwendung von Keywords und Verlinkungen innerhalb der Website.

Sobald diese Strafen verhängt wurden, hat sich das Ranking der Website bereits verschlechtert. Um sich davon zu erholen, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden. Herausfinden was falsch gemacht wurde, dieses verbessern und gutes SEO hinzufügen.  

Was funktioniert heute und in der Zukunft?

Die Google Richtlinien für Webmaster haben sich mit der Einführung des Google Disavow Tools nicht stark verändert, lediglich nimmt Google diese jetzt ernster und bestraft die Vergehen aktiv. Die ursprüngliche Idee von Links ist es, das Internet zu demokratisieren und als Referenz zu dienen. Heutzutage ist das Internet viel interaktiver. Es ist kein einseitiger Kommunikationskanal mehr, der von wenigen Anbietern bestimmt wird, sondern das Internet wird von Besuchern und Konsumenten aktiv gestaltet. Natürliche Links kommen nicht mehr nur von Experten, sondern von jedem, der etwas mitzuteilen hat. Der originale Algorithmus von Google wurde anfangs seit 2004 nicht sehr stark verändert. Dann kamen Panda, Pinguin und zahlreiche ungenannte Aktualisierungen und Filter hinzu. Heute besteht der Algorithmus aus einer Vielzahl von verschiedenen, komplexen Gewichtungsfaktoren und Filtern.

Google Forces

Diese Prinzipien, die seit langem gelten, sollten auch unverändert für die heutige SEO angewendet werden: 

  • Keine Linkschemata: Links sollten unsystematisch daherkommen und überraschend sein
  • Verwendung von Keywords im Anchor-Text von Links einschränken
  • Keine Verbreitung von Duplicate Content (doppelte Inhalte) und Spinning von Artikeln (leicht veränderte, sich wiederholende Inhalte)
  • Klare Autorenzuordnung zu Inhalten
  • Aufbauen von Vertrauen, durch weniger Werbung und mehr qualitativen Inhalten
  • Kein unnatürliches Keyword Stuffing (übermäßige Platzierung von Keywords)

Insgesamt geht es um echtes Marketing und weniger um technische SEO. Google hat die gleichen Kunden wie wir und muss sich deshalb auf die gleichen Veränderungen einstellen. Im Endeffekt spielen wir im gleichen Team wie Google und müssen uns an die gleichen Regeln halten. 

Was ist die Zukunft von SEO?

Das neue, natürliche SEO ist nichts anderes, als die Anwendung von herkömmlichem Marketing. Jeder muss seinen Markt kennen und segmentieren, zuhören was Leute zu sagen haben und etwas zu bestehenden Konversationen beitragen. Dabei muss jeder seinen eigene Stil finden und Inhalte für Menschen, anstatt für Roboter, erstellen. Es ist wichtig die Kommunikation zu suchen und seine Zielgruppe, zu einer aktiven Beteiligung zu motivieren. Marketing ist Kommunikation. Links sind die niedrigste Stufe von einer Beteiligung der Zielgruppe. Davor kommen Followers und Mentions in sozialen Netzwerken, Kommentare in Beiträgen, Abonnenten für Newsletter und Traffic auf Websites.

Die folgenden Trend zeichnen sich für die Zukunft von SEO ab:

  • Mehr und stärkere Filter von Google zur Eingrenzung von Spam
  • Es wird unmöglich, “echte” Rankings nachzuverfolgen
  • Social Media und herkömmliche Suche werden mehr vermischt
  • Traffic sources mix: Besucherquellen werden noch stärker variieren
  • Market leadership: Das Bestreben zur Führung eines Marktes als einziges echtes Marketing
  • weniger technisches, mathematisches SEO und mehr Business Marketing
  • Google zu täuschen wird immer weniger funktionieren

Natural LinksDies sind im Grunde keine schlechten Nachrichten, sondern eher eine große Möglichkeit für alle, die wissen wie ihr Markt funktioniert und richtiges Marketing betrieben wird. Die Marktführerschaft in einer Nische zu erlangen und den Kunden angemessen zu bedienen, wird in der Zukunft eine weitaus bedeutendere Rolle spielen.

Die Verwendung von Whitehat Techniken und die Konzentration auf menschliche Besucher wird noch wichtiger, als es bereits jetzt der Fall ist. Es sollte weniger Linkaufbau und -optimierung betrieben und auf unnatürliche Wiederholung von Keywords und speziellem Anchor Text verzichtet werden. Deshalb gilt: Aktives Marketing betreiben anstatt der Fokussierung auf SEO. Anstelle von Blackhat Methoden sollten wir den gesunden Menschenverstand benutzen und traditionelles Marketing, das seit Jahrzehnten funktioniert, auch im Internet anwenden. 

Das Video zum Webinar mit der Präsentation von Leslie Rohde (1,5 Stunden)

Meine Ansichten…

Ich betrachte die Trends im SEO Bereich mit Spannung und versuche mir einen guten Überblick, aus verschiedenen Quellen, zu schaffen. Die vorgestellte Präsentation ist sicher eine subjektive Ansicht von Leslie Rohde, die ich aber voll und ganz teile. Eine logische Konsequenz der letzten Entwicklungen, ist die (Zurück)Besinnung auf den gesunden Menschenverstand. Ich denke, dass der Google Algorithmus bereits sehr gut abgestimmt ist und die Schlupflöcher für Blackhat Techniken weiterhin abnehmen werden. Die Anwendung von ethnisch korrektem SEO und die Konzentration auf Inhalte wird mehr und mehr an Gewicht gewinnen. Das ist sicher nicht erst seit heute der Fall, wird aber durch die Einführung des Google Disavow Tools noch einmal bekräftigt. 

Über andere Meinungen und Ansichten, welche die Zukunft von SEO betreffen, würde ich mich freuen. 

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